Charles Tournemire, L’Orgue Mystique
Gesamteinstpielung als work in progress
Ab 8. Dezember 2024
Woche für Woche
Sämtliche 51 Offices
auf den einschlägigen Download-Shops und Streaming-Diensten
No.3 – Offertoire: molto adagio
L'Orgue Mystique I
L’Orgue Mystique von Charles Tournemire ( 1870 – 1939 ) ist mit 253 Nummern in 51 Heften und einer Gesamtspielzeit von mehr als 14 Stunden einer der umfangreichsten Zyklen der Musikgeschichte. Dabei ist die Musik streng liturgisch gedacht …
Erfahren Sie mehr über dieses monumentale Werk und seinen kulturgeschichtlichen Hintergrund in dem fundierten und inhaltsreichen Essay „L’Orgue mystique: Charles Tournemire und der Gregorianische Choral“ von Prof. Dr. Stefan Klöckner → pdf
Vorabdruck aus: Ph. Feldhordt/M. Geuting (Hg.), Tagungsbericht Charles Tournemire, Folkwang Studien 2025
Herzlichen Dank an Herrn Klöckner für die Erlaubnis zur Veröffentlichung
L'Orgue Mystique II
Damals, vor ziemlich genau 100 Jahren, als Tournemire L’Orgue Mystique schrieb und Frankreich noch katholisch war, war die Messe ein mystisch-spirituelles Gesamtkunstwerk aus heiligen Texten und rituellen Handlungen. aus Architektur und Musik, das selbst olfaktorische Elemente nicht ausschloss; ein Gesamtkunstwerk, das die ganze Spanne der Entwicklung des Menschengeschlechtes umfasste, von der archaischen Ausrichtung des Priesters zum Aufgang der Sonne, über die fast magische Transsubstantiation der Opfergaben und uralte, kulturübergreifende, mythischen Erzählungen bis hin zur sublimen Schönheit spätantiker Prosa und hochmittelalterlicher Lyrik in Orationen und Hymnen; behaust in gotischen Kathedralen – uralte Lichtmetaphorik in Stein gegossen und zugleich Sternstunden der Ingenieurskunst – bereichert durch die monumentalen Orgeln eines Cavaillé-Coll, oft in einem Gehäuse aus der Zeit des Barock, und überhöht durch eine Musik, die all das zu klanglich-mystischer Transzendenz erhebt, einer Musik, vermählt und geboren aus dem Gregorianischem Choral, der wie nichts anderes die Einheit von Kunst und Religion, von Kultus und Kultur verkörpert – Keimzelle aller abendländischer Musik.
Dieser transzendenzdurchwebte Kosmos war das Substrat in dem Tournemire seine Tage verbrachte. Er hat an diesem Zeit und Raum und Welt umspannenden aedificium weitergearbeitet, ist Teil von ihm geworden. In der Genese seines opus magnum vollzieht er in nuce, exemplarisch, künstlerisch und ganz konkret das Erblühen der abendländischen Kultur aus dem Geiste der katholischen Liturgie nach. Das Opus ist Emanation, Manifestation dieses Geistes, Fleisch, nein Musik gewordener Logos und zugleich eine höherdimensionale Entfaltung der frei schwingenden Girlanden des Gregorianischen Chorals.
Klang
Tournemires Einfallsreichtum, seine Fantasie, die schier unglaubliche Vielfalt subtilster Varianten (atmo)sphärischer Stimmungen ist gerade angesichts der durch die liturgische Bestimmung gegebenen Beschränkung nicht hoch genug zu schätzen. Man hat gesagt, die Musik Tournemires sei eher poetisch als mystisch. Der ursprüngliche Titel war L’Orgue glorieux, und oft scheint Tournemire eher das Mysterium tremendum zu evozieren als das feine Säuseln des Windes im Dornbusch. Poetisch, mystisch, glorieux, zart und schrecklich – das alles eingebettet in einen mystisch-sinnlich-transzendeten Klangraum: mit diesen Begriffen kommt man der Musik Tournemires schon recht nahe.
Der Ausgangspunkt für die Komposition dieses gewaltigen Zyklus war für Tournemire, wie bereits erwähnt, die Mystik der katholischen Liturgie, die sich ihm in differenzierten Klangvorstellungen manifestiert, die sich ihrerseits – noch vor der erste Ton komponiert ist – in raffinierten Registrierungsanweisungen konkretisieren. Erst nach Abschluss der Komposition lässt Tournemire seine Cavaillé-Coll-Orgel, die er von seinem verehrten Lehrer César Franck übernommen hat, um zehn Register erweitern, um wenigstens einen Teil ( bei weitem nicht alle ) seiner klanglichen Visionen verwirklichen zu können. Insbesondere müss(t)en alle Manuale schwellbar sein – wenn aber die Manuale, dann auch das Pedal, um klangliche Disbalancen zu vermeiden.
Doch welche Orgel ist dazu fähig ? Und wenn’s eine solche Orgel gäbe, würde man die für eine hinreichend lange Zeit zur Verfügung haben, um solch umfangreiche Aufnahmen sorgfältig genug vorzubereiten ? Wenn ich mich nun für eine virtuelle Orgel entschieden habe, führe ich damit nur Tournemires idealistische Herangehensweise konsequent weiter, um zu verwirklichen, was er sich erträumte.
Vor einiger Zeit hat die Firma Sonus paradisi ein recht aufwendig konzipiertes Sample Set der grossen Cavaillé-Coll-Orgel von St. Etienne, Caen, veröffentlicht und dabei fast die selben Register hinzugefügt, die Tournemire 1933 in seine Orgel einbauen lies. Zusammen mit einem kanadischen Informatiker und Orgelfan habe ich diese Orgel, ausgehend von den Registrierungsanweisungen in L’Orgue Mystique, zur „Tournemire-Idealorgel“ weiterentwickelt. Die 104 Register und fünf Schweller auf vier Manualen erlauben eine so differenzierte Interpretation, wie sie realiter kaum möglich wäre. Der 32-Kanal-surround-Klang und insbesondere die Dolby Atmos Technologie bieten ein immersives Klangerlebnis einer wahrlich „mystischen Orgel“.
Mein besonderer Dank geht an „Jake“ für die Programmierung der Orgel und an Michael Brändli, Hardstudios Winterthur für das atmos-Mastering.
Die Orgel
Kalender
Vom 8. Dezember 2024 bis 16. November 2025 werde ich, mehr oder weniger wöchentlich, ein Office auf den einschlägigen Streaming-Portalen veröffentlichen. Die genauen Daten finden Sie hier: → Kalender
ältere Serie
Christoph Maria Moosmann an der Goll-Orgel der Kollegienkirche Schwyz
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